Nach dem Entschluss mich längere Zeit in Spanien aufzuhalten, ging alles Schlag auf Schlag. Ich wollte mich malerisch und sprachlich fortbilden und entschloss mich kurzer Hand für zehn Wochen auf das spanische Festland zu ziehen. Die Idee bei einer Familie zu wohnen und das tägliche Leben mitzuerleben war für mich dabei die wichtigste Entscheidung. Zwischen Alicante und Valencia befinden sich die Orte Lliber und Jalon und dort sollte ich nun die nächste Zeit verbringen. Das Haus meiner Gastfamilie stand für meine gewohnten Verhältnisse ziemlich in der „Pampa“.

Ich wurde vom ersten Tag an sehr herzlich in der Familie aufgenommen und konnte mich daher schnell an alles Neue gewöhnen. Jeder Tag hier war etwas Besonderes mit neuen Herausforderungen. Bevor ich mich meiner Malerei widmen konnte, übernahm ich einige Aufgaben im Haus und Garten. Am Liebsten verbrachte ich allerdings Zeit mit den beiden Mädchen, lernte Spanisch oder lachte über deren verrückte und liebevolle Art.
Schnell fiel mir - jeden Tag auf´s Neue - die wunderschöne Landschaft rund um mich herum auf. Ein kleines Tal, umgeben von Bergen und Weinfeldern, soweit das Auge reicht. Man konnte sich gar nicht satt sehen an den vielen verschiedenen Farben und Lichtern. Dieser Teil des Landes schien ein Stück des Schlaraffenlandes zu sein. Wo man auch hinschaute:


hunderte von Bäumen voll mit Orangen, Zitronen, Limetten, Oliven, Granatäpfeln und Mandeln; Plantagen voller Weintrauben…
Schwer zu glauben, dass es Orte gibt, an denen Menschen so arm sind, dass sie Hunger leiden müssen. Meine freie Zeit habe ich oft genutzt, um die umliegenden Landschaften zu erkunden und zu beobachten, Skizzen zu machen und hier und da mit einem Einheimischen ins Gespräch zu kommen.
Auf dem Weg von Alicante nach Valencia ist ein Örtchen schöner als das andere: Denia, Moraira und Jávea. Jedoch zog es mich nach Valencia mehr als nur ein Mal. Ich habe diese Stadt zu einer meiner liebsten erklärt. Sie ist eine bezaubernde Abwechslung zum alltäglichen ländlichen Leben. Die Großstadt mit ungefähr 800.000 Einwohnern beeindruckte mich durch ihre architektonische Vielfalt und ihr südländisches Flair.


In der Stadtmitte ist die Kathedrale mit verschiedenen Elementen aus Gotik und Barock zu sehen sowie die alten und riesigen Kolonialbauten, die einen von oben herab anschauen. Ob eine große Einkaufstour durch ihre Flanierstraßen oder durch die gemütlichen Gassen in denen man Tapas essen kann, hier ist für jeden etwas dabei.
Nicht weit vom Zentrum entfernt befindet sich die „Ciudad de las Artes“.
Die Stadt der Kultur und Wissenschaften ist ein Kunst- und Kulturpark in Valencia mit verschiedenen modernen Bauten und Attraktionen. Neben Lichtshows, Opern und Theaterstücken gibt es hier auch einen Dinosaurierpark. Valencia ist in jedem Fall einen Besuch wert!

Die bunten original valencianischen Trachten laden zum Träumen ein. Wie es hier wohl vor einigen hundert Jahren ausgesehen haben muss?
Bei der Suche nach neuen interessanten Motiven fiel mir auf, dass mein Blick immer wieder am Thema des Alltäglichen hängen blieb. Es gab so viele Dinge, die allein durch ihre Einfachheit überzeugten. Es waren Lebenssituationen, unberührte und berührte Orte, der Mensch und das Leben, das mich inspirierte.

Interessant und besonders ist meistens nicht das Perfekte, sondern das, was den eigenen Blick verweilen lässt.
Die Menschen in Spanien sind sehr freundlich und gelassen. Mir hat es besonders gefallen, dass sie sich Zeit nehmen für alles: angefangen bei einem netten Gespräch bis hin zu einer hitzigen Diskussion - so viel Zeit musste sein!
Die sprachliche Entwicklung war auch eine sehr wichtige Sache. Neben der malerischen Sprache wollte ich ja auch noch Spanisch lernen. Wellenförmig ging es tagein - tagaus, mal gut, mal schlecht. Mit viel Übung und Geduld bekam ich nach und nach ein Gefühl für den Sprachfluss und eine Ahnung davon, wie man richtig spricht. Allerdings gehörte noch viel mehr dazu. Da man keine Wahl hat, nutzt auch jegliche Demotivation nichts - man muss so oder so...


Was ich künstlerisch aus dieser Reise mitgenommen habe ist, dass ich das Leben zeigen möchte, die Natur, den Menschen und seine Kultur. Die Dinge des Alltags machen das Leben und meine Malerei aus.
Was meine Formate angeht stelle ich fest, dass ich lieber auf großen Flächen male und zeichne. Ich brauche Platz, um dem „Normalen“ in meinen Bildern Ausdruck zu verleihen.


Im Großen und Ganzen war dieser etwas längere Ausflug eine der schönsten Erfahrungen, sowohl persönlich als auch künstlerisch. Man bekommt ein Gefühl für die Dinge, die einen wirklich bewegen und Menschen, die einem etwas bedeuten. Mit jedem Tag kam ich einen Schritt näher an die Antwort auf die Frage: "Wer bin ich, was will ich verändern und wie verleihe ich dem Ganzen Ausdruck?"
Mit meiner Malerei hoffe ich, dass ich diese Frage eines Tages beantworten kann.