Peru – Südamerika. Der Plan: 5 Wochen Rucksacktour.
Start: 04.Januar 2012. Flug von Frankfurt über Madrid und Paris nach Lima.
Wichtigste Gepäckstücke:
Kamera, Anti–Mückenspray und Wörterbuch Deutsch – Spanisch.
Zeitverschiebung: -6h. Sommerzeit. Temperatur: 29°C
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Am 05. Januar kamen wir 17 Uhr in Lima an, zogen in unser Hotel und vollendeten einen langen Tag mit einer abendlichen Besichtigung der berühmten Kathedrale von Lima. Nach einer erholsamen Nacht ließen wir die Atmosphäre der 10 Millionen Einwohner Stadt auf uns wirken. Den Rundgang begannen wir am Plaza Mayor, an dem es schon einiges zu sehen gab. Die Kathedrale von Lima, den Regierungspalast und das Rathaus.
Besonders schön wirkten hier neben den Kolonialbauten die Arkadenpassagen mit ihren gelb verputzen Fassaden und ihren reichverzierten Holzerkern. Für Kunstinteressierte ist das „Museo de Arte de Lima“ in jedem Fall sehenswert. Nach einem längeren Aufenthalt in dunklen Räumen lockten die umliegenden Parkanlagen zu einem Sonnenbad und zum Entspannen.
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Bevor es am nächsten Tag zum Dschungel ging, sollten wir noch Erfahrung mit einem der Taxifahrer sammeln. Die Fahrt zum Flughafen wird wohl für immer unvergesslich bleiben. Jeder andere fährt auf der Autobahn zum Flughafen, jedoch meinte es dieser Fahrer wohl gut und nahm die Abkürzung durch die Slums. Noch nie habe ich den Atem so lange angehalten wie dort.
Kein Foto, keine Reportage und keine Erzählung der Welt können beschreiben was man in diesem Moment empfindet. Angefangen bei Angst und Traurigkeit über Verzweiflung bis hin zum Unglauben. Für mich war das am zweiten Tag schon einer der bleibenden Eindrücke.


Unsere Ankunft in Puerto Maldonado war einzigartig. Nach einem Flug über die Anden und einer Landung mitten im Urwald, öffneten sich die Türen und wir wurden von 36°C und 90% Luftfeuchtigkeit überrascht.
Wir wussten: Hier sind wir richtig. Im Urwaldstädtchen Puerto Maldonado besuchten wir einen der typischen südamerikanischen Märkte und erfreuten uns an der Lebensfreude der dort arbeitenden und lebenden Menschen.
Wir konnten uns kaum satt sehen an all den bunten Farben und den vielen fremden, aber liebenswerten Gesichtern. Wir aßen typische Reisgerichte, frisches Hühnchen und dazu gab es frisch gepressten Apfelsaft. Geschmacklich und kulturell war das ein Highlight. Näher konnte man den Menschen hier nicht sein. Nachdem wir beschlossen hatten zum Hostel zurückkehren, bahnten wir uns unseren Weg durch das "Gewusel" der Leute und freuten uns über unseren ersten Urwaldregen.

Die frischen und kräftigen Farben nach diesem Regen waren nicht zu übersehen. Der größte Teil der Reise war eine Wohltat für meine Augen: all diese fremden Eindrücke, die Menschen, Tiere, Pflanzen und Farben, ich wusste nicht wo ich anfangen sollte hinzuschauen. Mein Fotoapparat glühte zu jeder Tageszeit und an jedem Ort.
Das nächste Abenteuer ließ nicht lange auf sich warten - der Dschungel. Am nächsten Morgen fuhren wir mit einem kleinen Boot über den Rio Tambopata zu unserem Dschungelcamp - Reserva Nacional Tambopata. Die nächsten 4 Tage hieß es nun ohne Strom und Internet auszukommen. Ich kann sagen, dass das weniger schlimm ist als manche glauben. Wir brachten also unsere Sachen in unsere Holzhütten und machten uns bereit für unseren ersten Ausflug.


Unsere Reise wurde von einem gut ausgebildeter Peruaner angeführt. Mit einer Machete bahnte er uns den Weg durch den dichten Dschungel. Hier und da hielten wir an und schauten uns unzählige Pflanzen und Bäume an. Eine Art war spezieller als die Andere. Unzählige Heilmittel, Drogen und ausgefallene Pflanzen- und Tiersymbiosen machten diesen Tag unvergesslich. Natürlich gab es auch einige Tierarten zu entdecken. Wir lockten Taranteln aus ihrem Bau,
hörten Aras und Macaws, suchten nach Puma und Jaguar Spuren, bekamen hier und da ein paar Kapuzineräffchen zu sehen und beobachteten die Blattschneideameisen bei der Arbeit. Abends fuhren wir mit unserem Boot los, um Kaimane zu beobachten und am nächsten Morgen ging es zur Papageienschlecke. Hier tummelten sich hunderte von bunten Vögeln rund um die Lehmwände, ein herrliches Schauspiel. Nach einer längeren Wanderung zogen wir los und angelten Piranhas, welche abends auf der Speisekarte stehen sollten. Die Suche nach einer Anakonda gaben wir nach zwei Stunden paddeln auf, dafür zeigte mir unser Guide etwas Anderes.


Pflanzen aus denen man sehr einfach sehr gute Farben herstellen konnte. Das war hochinteressant, wie farbintensiv die Pflanzen sind und welche Farbkraft sie in Verbindung mit Wasser entfalteten.
Wenn man abends zurück ins Reservat kam, gab es nichts Besseres, als eine Kerze anzuzünden, sich im Moskitonetz zu verstecken und den nächtlichen Geräuschen des Dschungels zu lauschen.
Der letzte Tag endete mit einer wilden und stürmischen Bootsfahrt zurück nach Puerto Maldonado.
Hier startete eine weitere sehr anstrengende Busfahrt nach Cusco. Zehn Stunden Fahrt standen uns bevor und es ging auf 3200 Höhenmeter. Nach über 15 Stunden kamen wir mitten in der Nacht in Cusco an, legten uns ins Bett und freuten uns auf den nächsten Morgen.
Unser kleiner Stadtrundgang führte uns vom Plaza de Armas, vorbei an der Kathedrale, in die "Calle Hatunrumiyoc" in der sich der zwölfeckige Stein befindet.


Er soll die Jahreszeiten und die zwölf Monate des Jahres symbolisieren. Wir gingen weiter durch zahlreiche spanisch-geprägte Gassen, hier versprachen unzählige Restaurants und sogenannte Straßenschlepper das besten Essen der Stadt. Unter anderem gab es überall das Nationalgericht des Hochlandes: Riesenmeerschweinchen. Wer gerne ausgefallenes Essen probiert, sollte es versuchen, für mich kam das nicht in Frage. Zwei Tage vergingen und langsam gewöhnten wir uns an die Höhe. Wenige Treppenstufen und unser Herzschlag verrieten uns immer wieder, wie hoch wir waren.
Das Glanzlicht unserer Reise stand uns bevor. Der viertägige Inka Trail, der Weg der Inkas zum Machu Picchu. Die Reise startete in Urubamba bei Kilometer 82. Wir checkten ein und unser Guide machte uns mit dem heutigen Plan vertraut. Insgesamt legten wir 46 Kilometer und ungefähr 4000 Höhenmeter in 4 Tagen zurück. Eine Wanderung die nicht zu unterschätzen ist. Man liest viele Berichte über den Trail, aber in keinem kommt zur Geltung, wie hart dieser Weg ist.


Auf diesem Weg begegnet einem einiges, angefangen bei wilden Kühen und Alpakas, über die traumhaftesten Landschaften bis hin zum inneren Schweinehund. Im Nachhinein ist es das schönste Erlebnis unserer Reise, aber wir haben uns mehr als einmal gefragt, warum wir nicht wie alle anderen mit dem Zug hochgefahren sind. Hat man den zweiten Tag hinter sich gebracht, weiß man was es heißt 2500 Höhenmeter zu überwinden, man weiß wie die Füße schmerzen, man weiß, dass man diese Tortur sogar mit der Höhenkrankheit überwinden kann und man weiß vor allem, was "step" bedeutet. Stufenhöhen zwischen 30 - 40 cm und das die ganze Zeit.
Dazu kamen die Übernachtungen im Zelt und ohne Dusche. Schlafen konnte man ganz gut, solange das Zelt nicht 20cm vor dem Abhang stand. Man wurde aber ständig beruhigt, das wäre alles ganz normal. Der letzte Tag begann für uns wieder sehr früh. Start zum Sonnentor und dann zum Machu Picchu war vier Uhr. Nach 3 Stunden "up and down" und wieder einigen Höhenmetern "step" mit riesigen Stufen konnten wir den ersten Blick auf die atemberaubende Inka Stadt werfen.


Eine weitere Stunde Abstieg brachte uns zum Machu Picchu und ab diesem Zeitpunkt waren alle Strapazen vergessen. Wir verbrachten einen wundervollen Vormittag mit unserer Gruppe und unserem Guide im Gelände. Mit vielen wunderschönen Eindrücken und Fotos verließen wir den Machu Picchu und gönnten uns ein heißes Bad in den Quellen von "Aquas Calientes". Der perfekte Abschluss und eine schöne Entspannung für die müden Knochen.
Nach einem kurzem Zwischenstopp in Cusco und einigen besonderen Eindrücken im Heiligen Tal, fuhren wir vorbei an bunten Märkten und lustigen Alpakas nach Puno zum Titicacasee. Die Besichtigung der Schilfinseln war für mich ein "Muss". Man erzählt, dass diese Seemenschen das wildeste Volk der Inkas waren. Eine ziemlich spannende Geschichte wenn man überlegt, dass diese Leute alles auf ihren schwimmenden Inseln gemacht hat. Die heutige Situation ist leider ohne diesen


Zauber, die Inselbewohner leben ausschließlich vom Tourismus und das spürt man von Anfang an. Sie lassen sich kaum auf private Gespräche ein und haben nur den Verkauf der Waren im Sinn. Einzig allein die tollen Aufnahmen und Motive machten diesen Ausflug lohnenswert. Nahm man alle Phantasie zusammen, konnte man sich vorstellen wie es dort mal gewesen sein könnte. Kamen dann jedoch die singenden Kinder mit dem Hut zum Geld einsammeln und sah man die
winkenden Touristen auf den anderen Booten war jegliches Flair verloren. Aber die Reise ging weiter, von Puno fuhren wir geradewegs nach Arequipa. Die zweitgrößte Stadt Perus ist das Kultur- und Wirtschaftszentrum des Südens. Auch hier begeisterten uns die vielen Sehenswürdigkeiten: die bunten Märkte mit allem was das Herz begehrt, die historischen Bauwerke des Stadtzentrums (Weltkulturerbe seit 2000) bis hin zu verschiedenen Ausstellungen einheimischer


Künstler und Kunststudenten. Die Malerei hier zeichnete sich durch eine Einfachheit aus, die das Leben der Peruaner wiederspiegelte. Dabei zeigten sie eine Farbkraft, die man als unnatürlich empfinden könnte, wenn man das bunte Markttreiben und die Farben auf den Straßen nicht kennt. Nach diesen Eindrücken zog es uns weiter an die ca. 75 km entfernte Küste Perus. Mit einem Ruhetag am Strand in Camana ging die Fahrt weiter nach Nasca. Sehr
beeindruckend empfand ich die Fahrten und die wechselnden Landschaften. Aus dem Hochgebirge kommend gab es von Wüste, über saftig grüne Wiesen bis hin zur trockensten Landschaft alles zu sehen. Die Kleinstadt Nasca ist Ausgangspunkt für eine Reise in die Vergangenheit, zu den Nasca - Geoglyphen. Ein wilder Flug über diese Bodenmarkierungen ließ mich lange Zeit den Atem anhalten - das ist nichts für schwache Nerven! Der Ausblick auf die Geoglyphen war wirklich wundervoll, wenn


nur diese Übelkeit nicht gewesen wäre... Die Deutungsversuche beschäftigen seit langer Zeit verschiedene Wissenschaftler, Archäologen, Mathematiker und Historiker. Dr. Kosok und Dr. Maria Reiche arbeiteten zusammen an der Erforschung der Linien und sie schlossen schnell aus, dass es sich bei diesen Linien um Bewässerungskanäle handelte. Die Deutsche Maria Reiche war nach verschiedenen Messungen und Forschungen der Überzeugung, dass die Linien
astronomisches Geheimwissen verbergen. Welche Bedeutung sie wirklich haben ist bis heute Spekulation, aber mit ein bisschen Fantasie kann sich auch jeder eine eigene Meinung über dieses Geheimnis bilden.
Unser Aufenthalt in Nasca war sehr schön, wir genossen die Ruhe, besuchten einen typischen Markt und sprangen aus den Betten als die Erde bebte. Alles in allem einige abenteuerliche und aufregende Tage. Wir fuhren auf der Landkarte weiter nach oben zu den nächsten Zielen:


Ica und die Huacachina Oase. Aufgrund der Nebensaison war dieser Ort
das Erholungsgebiet schlechthin. Diese riesigen Dünen rund um eine kleine Quelle bildeten einen traumhaften Kontrast zu den wenigen grünen Bäumen. Das Wetter lud zum Baden ein und die Wüste zum Sandboarden - zum Entspannen und Spaß haben genau das Richtige. Am nächsten Morgen ging die Reise weiter nach Pisco und zur Halbinsel Paracas.
Hier erwarteten uns die Islas Ballestas. Am Start des "El Candelabro", einem eingekerbten Dreizack im Wüstensand, erinnert man sich an die Linien von Nasca. Verschiedene Sagen wurden zu dieser Bodenmarkierung erzählt. Nicht weit sieht man schon die Inselgruppen und die kreisenden Vögel über ihnen. Zerklüftete Inseln voller Pelikane, Guanay und Humboldpinguine begeisterten durch ihre Anwesenheit und ihren Geruch. Der wertvollste und natürlichste Dünger der Welt nannte


sich hier: Guano. Neben den verschiedenen Vogelarten gab es hier auch mehrere riesige Seelöwenkolonien zu sehen. Teilweise war es in den Buchten so laut, dass man es dort keine halbe Stunde ausgehalten hätte. Ob die lauten Schreie uns Eindringlingen galten? Zurück auf dem Festland ließen wir den Tag in Pisco ausklingen und bereiteten uns auf unsere Weiterreise nach San Bartolo vor. Uns erwartete nun 3 Tage: nichts. Wir beruhigten unsere Sinne und ließen einige Teile
unserer Reise revue passieren. Am 04. Februar hieß es nun ein letztes Mal den Rucksack packen und auf nach Lima. Eine wunderschöne Reise ging zu Ende mit einem volkstümlichen Straßenfest in der Hauptstadt Perus. Mit einem letzten Pisco Sour und einigen anderen typisch peruanischen Eindrücken verabschieden wir uns von einem Land voller Überraschungen. Unser Flieger startete am 05. Februar und wir sahen mit einem freudigen Auge auf Peru zurück und freuten uns gleichzeitig auf


unsere Heimat. Bei einem Zwischenstopp in Atlanta/USA versüßten wir uns unseren Aufenthalt mit einem typisch amerikanischem Programm: wir besuchten das nicht all zu weit entfernte Coca - Cola - Museum und aßen danach ein paar leckere Burger. Mit sehr viel amerikanischem Flair und noch mehr netten Menschen verbrachten wir unsere Zeit bis zum Abflug nach Madrid und dann nach Frankfurt.